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http://www.diezeit.de/reden/Die%20Historische%20Rede/predigt_niemoeller.html |
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E R I N N E R U N G |
REMEMBRANCE, MEMORY |
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Weihnachtspredigt in Dachau |
Christmas sermon in Dachau |
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Martin Niemöller,
U-Boot-Kommandant im Ersten Weltkrieg, führendes Mitglied der Bekennenden
Kirche, wurde 1937 von Hitler in die Konzentrationslager Sachsenhausen,
später Dachau gesperrt. Am 24. Dezember 1944 durfte er im Block der
"Sonderhäftlinge" unter Aufsicht der SS-Wachen zum ersten Mal
wieder predigen. Vor wenigen Mithäftlingen - einem holländischen Minister,
zwei norwegischen Reeder, einem jugoslawischen Ddiplomaten - legte er das
Weihnachtsevangelium aus |
Martin Niemöller, U-Boot
commander in the first world war, leading member of the “Bekennenden Kirche”[1],
was jailed by Hitler in the Sachsenhause concentration camp in 1937, and
later in Dachau. On December 24, 1944
he was allowed to resume preaching for the first time in the “special
prisoners” block, watched by SS guards.
Before a few fellow prisoners – a Dutch minister, two Norwegian
shipmasters[2], a
Yugoslavian diplomat – he laid out the Christmas evangelium.[3] |
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Von Martin Niemöller |
By Martin Niemöller |
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Wir hören die Freudenbotschaft
aus der Weihnachtsgeschichte nach Lukas: |
We hear the glad tidings from
the Christmas story according to Luke: |
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"Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige
euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der
Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das
habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in
einer Krippe liegen." Lukas 2,10-12 |
“Fear not!
See, I bring you tidings of great joy, to all peoples, because unto
you this day the saviour is born, Christ the Lord, in the town of David. And this will be the sign: you will find
the child wrapped in swaddling clothes and lying in a manger.” Luke 2,10-12. |
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Wenn man Weihnachten in der Gefangenschaft feiern
muß, so ist das begreiflicherweise eine ziemlich trübselige Sache, und für
gewöhnlich sind wir Menschen erst dann richtig zufrieden, wenn die Festtage -
wie man so sagt -"mal wieder glücklich überstanden" sind; und zu
verstehen ist das wohl: Es gibt ja kein Fest im Laufe des Jahres, das so
stark gemütsbetont wäre, an dem so viele liebe und ganz persönliche
Erinnerungen hängen, durch das so starke und tiefe Sehnsüchte in uns geweckt
werden nach dem, was uns genommen ist! - So kommt's denn, daß wir uns in
diesen Tagen unsrer selbst sehr wenig sicher fühlen und ingentlich beständig
fürchten, dass wir vor uns selbst die Haltung verlieren könnten. Das
Bitterwerden unter der uns aufgelegten Last und das Aufbegehren gegen unser
Los sind uns da besonders nahe, und wir haben mit einer ganzen Fülle
widerstreitender Gefühle in unsrer Brust zu ringen. - Und so kommt es am Ende
dahin, daß wir gerade froh sind, wenn das wiederkehrende Gleichmaß der Tage
uns aufs neue umfängt und wenn die Sturmwogen der Empfindungen, die uns
unruhig und friedlos machten, allmählich wieder verebben. - Unter solchen
Umständen bleibt natürlich wenig Raum für die Freude des Herzens, wie wir sie
früher in den Weihnachtstagen gekannt haben, die uns die Seele weit und hell
und dankbar zu machen pflegte: Wir sind ja nun einmal ein "Volk, das im
Finstern wandelt", wie es bei den Propheten heißt, Menschen, die
zwischen Fürchten und Hoffen hin und her geworfen werden und die schließlich
doch nichts Besseres zu tun wissen, als den Dingen ihren Lauf zu lassen. |
If one has to celebrate Christmas in captivity,
that is naturally a pretty unhappy thing, usually we humans are only really
content when the holidays are – to use the common phrase – “got through once
again”; and that’s understandable: There is no holiday all year that is so
colored by sentiment, that comes with so many dear and intimate personal
memories, through which such strong, deep yearnings are aroused in us for
that which has been taken from us! – So it can happen, that we feel very
insecure about ourselves and [??ingentlich??][4]
constantly fear that we might lose our poise. Being bitter about the burdens laid upon us and rebelling
against our lot are especially ready reactions, and we have to struggle with
a great fill of competing feelings in our breast. – And so it can come to
pass that we’re actually happy when the equanimity of our daily routines is
restored us and when the storm waves of feelings that made us restless and
not at peace gradually ebb away again.
In such circumstances there is naturally little room for the heartfelt
joy that we knew in earlier Christmases, that tended to make our soul large
and bright and thankful: We are after all a “people wandering in the
darkness,” as it was said among the prophets, people who are tossed back and
forth between fear and hope and finally don’t know what to do other than to
let things go their own way. |
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Nun aber klingt eine alte Kunde an unser Ohr,
jenes Weihnachtsevangelium mit der Engelsbotschaft an die Hirten auf dem
Felde, jene rührende Geschichte von einem Kinde in der Krippe, das allem Volk
Freude und Heil bringen soll. - Jahrhunderte haben Trost, Freude und Hoffnung
daraus geschöpft; aber heute sieht es beinahe so aus, als wäre die Zeit der Gnade
dahin, als sei das alles nur noch ein verhallender Klang, den unsere Ohren
eben noch auffangen, der aber nicht mehr stark und kräftig genug ist,
Menschenherzen wirklich in Bewegung zu setzen. - Fragen wir aber, woher das
kommt, so ergibt sich die sehr einfache, aber schwerwiegende Antwort: Der
Mensch hat sich daran gewöhnt, sein Leben ohne Gott zu führen. Meine lieben
Freunde, ich möchte nicht mißverstanden werden; ich meine hier nicht die
Leute, die sich als "gottlos" bezeichnen und die aus angeblich
wissenschaftlichen, weltanschaulichen oder politischen Gründen behaupten:
"Es gibt keinen Gott", und zu denen wir ja nicht gehören; ich meine
durchaus uns selber, die wir hier versammelt sind, die wir es uns noch nicht
abgewöhnt haben, unseren Tageslauf mit Gebet zu beginnen und zu beschließen,
denen aber doch Gott oft so unendlich ferne zu sein scheint, daß wir meinen,
er kümmere sich um unseren Planeten nicht. Es sieht ja auch in der Tat so
aus, als hätte er diese Welt sich selbst überlassen, damit die Menschen sie
vollends zugrunde richten. Und von dieser Empfindung aus ist es nur noch ein
winziger Schritt zu der Zweifelsfrage: Sollte Gott sich um mich kümmern, um
ein kleines, armseliges Menschlein in einer Zeit, da Hunderttausende und
Millionen elend zugrunde gehen? - Ist das nicht völlig unsinnig und paradox?!
- Bei solchen Gedanken, die sich uns heute geradezu aufdrängen, geschieht es
unversehens, daß wir den Gedanken an Gott aus dem, was uns Tag um Tag
begegnet, ausschalten, daß wir nur noch die Menschen und die irdischen
Verhältnisse sehen und auf sie - je nachdem - unsere Hoffnungen oder unsere
Befürchtungen richten. Diesen Zustand meine ich mit dem "Leben ohne
Gott" das uns daran hindern will, aus der Weihnachtsgeschichte Trost,
Freude und Hoffnung zu schöpfen, so wie es unsere Väter getan haben. |
But now an old message reaches our ear, the
Christmas Evangelium with the angel’s message to the shepherds on the field,
that touching story of a child in a manger who is supposed to bring all
people joy and salvation. – Centuries have drawn TROST, joy, and hope from
it; but today it almost looks as if the time of grace has run out, as if all
that was only a weakening echo that our ears can still pick up, but that
isn’t strong and powerful enough to really move people’s hearts. – But if we ask why that is so, the simple
but SCHWERWIEGEND answer is: Humanity has accustomed itself to leading its
life without God. My dear friends, I
would like to not be misunderstood; I do not mean those people who describe
themselves as “godless,” and who claim from purportedly scientific,
philosophical, or political reasons: “There is no God,” to whom we after all
do not belong; I really mean we ourselves, as we are gathered here, we who
have not lost the custom of beginning and ending our days with prayer, but to
whom God seems so infinitely distant, that we believe he doesn’t care about
our planet. Indeed it does seem as if
He had left this world to its own devices, so that humans could wreck it
completely. And from this sentiment
it takes only a tiny step to the doubting question: Should God care about me,
about a small, pitiful little human in a time in which hundreds of thousands
and millions die miserably? -- Isn’t
that completely nonsensical and paradoxical?! – Amid such thoughts, which
positively force themselves on us these days, it can happen unintentionally
that we cease thoughts about God in our day to day experience, that we just
see humanity and earthly conditions and turn our hopes or our fears – as
appropriate -- towards them. This
condition is what I mean by the “Life without God” which seeks to prevent us
from drawing TROST, joy and hope from the Christmas story as our fathers did.
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Gerade in dieser Not des Herzens aber will uns
die frohe Botschaft der Weihnacht Hilfe bringen, wenn wir sie nur recht hören
und ihr glauben als dem Wort, das der lebendige Gott mit uns redet, und dem
wollen wir ein wenig nachdenken. |
But it is in just this crisis of the heart that
the glad tidings of Christmas bring us help, if we only hear them rightly and
believe in them as the word of the living God, and this is the thought we
will pursue a little. |
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Da liegt also das Kind in der Krippe. -
Ungezählte Dichter haben von ihm gesungen; zahllose Maler haben es
dargestellt; und seit den Tagen unserer eigenen Kindheit sehen wir es so vor
unserem inneren Auge, umstrahlt von einem Heiligenschein und verklärt durch
den romantischen Schimmer, den die Kunst und das dichtende menschliche Gemüt
über die Szene im Stall von Bethlehem ausgegossen haben. |
So there lies the child in the manger. –
Countless poets have sung of Him; countless painters have depicted Him; and
since the days of our own childhood we see it that way in our mind’s eye,
aglow with a halo and clarified by the romantic shimmer which art and the
poetic human spirit have poured over the scene in the stall of Bethlehem. |
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Die Wirklichkeit der evangelischen Botschaft weiß
von all diesem märchenhaften Zauber nichts. In der Kunde, die den Hirten
zuteil wird, ist ihnen und uns nur ein zweifaches "Zeichen"
genannt, d. h. zwei Dinge, die für dieses Kind und seine Bestimmung
bezeichnend sind: Dies Kind ist in Windeln gewickelt, und es liegt in einer
Krippe. Das ist alles. - Und was soll uns damit gesagt werden? Einmal dies:
Das Kind, das dort in Windeln gewickelt liegt, ist ebenso schwach und hilflos
wie nur irgendein Kind, das in diese Welt hineingeboren wird: Die Mutter muß
es versorgen, damit es nicht zugrunde geht, muß es in Windeln wickeln, daß es
nicht erfriert, muß es nähren, daß es nicht Hungers stirbt. - So sind die
Windeln ein charakteristisches Zeichen und Vorzeichen für das Leben des
Mannes, von dem es einmal heißen wird: "Andern hat er geholfen und kann
sich selber nicht helfen." Und zum andern: Auch die Krippe ist kein
malerisches Attribut, das die Poesie der Christnacht erhöhen soll; sie ist
wiederum Zeichen, nämlich das Zeichen der Heimatlosigkeit dieses Kindes:
"Sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge". - Und auch sie ist
ein Vorzeichen: Denn aus dem Kinde wird der Mann werden, der von sich selber
sagen muß: "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel
haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nichts, da er sein Haupt
hinlege!" Das sind die beiden Zeichen, die den Hirten und auch uns
gegeben werden. |
The reality of the evangelic message has nothing
to do with all this fairy tale magic.
In the message imparted to the shepherds, they and we are named just
two “signs”, that is, two things that are critical for this child and its
meaning: the child is wrapped in swaddling clothes, and it lies in a
manger. That’s all. – And what is this supposed to tell
us? First this: the child, lying
there in swaddling clothes, is just as weak and helpless as any other child
born into this world: its mother must care for it, so that it doesn’t die,
must wrap it in swaddling clothes so that it doesn’t freeze, must nourish it
so that it doesn’t die of hunger.
Thus the swaddling clothes are a characteristic sign and omen for the
life of the man of whom it will be said: “Others he helped, and can not help
himself.” Then this: the manger, too,
is no painterly attribute to heighten the poetry of Christmas night; it too
is a sign, namely the sign of the homelessness of this child: “There was no other
room in the hostel.” – And it is also an omen: Because the child becomes a
man who must say of himself: “The foxes have holes, and the birds under the
sky have nests, but the Son of Man has nowhere to lay his head!” Those are the two signs that were given to
the shepherds and also to us. |
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Wenn wir aber nun in die Tiefe schauen und
fragen, was denn diese menschliche Hilflosigkeit und irdische Heimatlosigkeit
des Jesuskindes uns zu sagen haben, dann fängt eben hier die wahrhaft frohe
Botschaft an: Gott - der ewigreiche und allmächtige Gott - geht ein in die
äußerste menschliche Armseligkeit, die man sich denken kann. Kein Mensch ist
so schwach und hilflos, in Jesus Christus kommt Gott zu ihm her, mitten
hinein in unsere Not; und kein Mensch ist so verlassen und heimatlos in
dieser Welt, in Jesus Christus sucht Gott ihn auf, mitten in unserm Elend. |
But if we now look deeper and ask, what this
human helplessness and earthly homelessness of the child Jesus can tell us,
then the truly glad tidings begin here: God -- the eternal and all-powerful
God – arrives in the most extreme human pitifulness that one can
imagine. No one is so weak and
helpless, in Jesus Christ God comes to him, right into the middle of our
great need; and no one is so abandoned and homeless in this world, in Jesus
Christ God seeks him out, right into the middle of our misery. |
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Das ist also nicht so wie sonst in den von
Mcnschen geschaffenen Religionen, daß wir, die Menschen, uns auf den Weg
machen müssen zu einer fernen Gottheit, die in ihrer Majestät über uns thront
in unerreichbaren Höhen, zu denen wir uns mühsam hinaufarbeiten müssen, ohne
doch je zum Ziele zu gelangen, weil einfach unsere Kraft dazu nicht reicht.
Hier kommt Gott zu uns herab und nimmt sich unser an; und er bevorzugt nicht
die Starken und die Guten, um das Schwache und Kranke sich selbst und seinem
Schicksal zu überlassen. - Hier klingt es uns, aus den Windeln und aus der
Krippe, entgegen: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen
seid; ich will euch erquicken!" -Hier geschieht das, was uns der Apostel
Paulus tröstend zuruft: "Ihr wisset die Gnade unseres Herrn Jesu
Christi, daß, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen." |
This is thus not like other religions devised by
men, where we humans must make our way to a distant god, who rules in his
majesty over us enthroned at unreachable heights, which we must work to
scale, without ever reaching the goal, simply because our strength does not
suffice. Here God comes down to us
and joins us; and He does not favor the strong and the good, to leave the
weak and sick to himself and his fate. – What we hear from the swaddling
clothes and the manger, is this: “Come to me all who are tired and burdened;
I will refresh you!” – What happens
here is what the Apostle Paul comfortingly called out to us: “You know the
mercy of our Lord Jesus Christ, that, despite being rich, he became poor for
your sakes.” |
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Das ist das ganz Besondere der christlichen
Heilsbotschaft; sie sagt uns: Du brauchst nicht auf die Suche zu gehen nach
Gott, du darfst nicht meinen, er sei dir fern und kümmere sich nicht um das,
was dich drückt! - Er ist da und ist dir nahe in dem Manne, der als ein Kind,
in Windeln gewickelt, in der Krippe lag. All deine Not ist ihm so wenig
fremd, daß er sich vielmehr aus freien Stücken selbst hinbegeben hat, um sie
mit dir zu tragen! - Wer das im Glauben fassen kann, der ist auch im
Gefängnis und im Sterben nicht verlassen; denn in dem ärgsten Dunkel darf er
sprechen: "Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich." |
That is what is quite special about the Christian
message of salvation; it tells us: You don’t need to look for God, you may
not believe He is distant and doesn’t care about that which bothers you! – He
is there, and is near to you as a man who lay in a manger as a child. All your troubles are so familiar to him,
that he of his own accord gave himself so he could carry them with you! He who can grasp this in belief, he too is
not abandoned in prison and in death; because in the worst darkness he may
say: “You are with me, your rod and your staff comfort me.” |
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Meine lieben Freunde, laßt uns an diesem
Weihnachtsfest in dem Kinde von Bethlehem den suchen, der zu uns kam, um
alles, was uns schwer bedrückt, mit uns zu tragen. Wir werden dann sicherlich
etwas von der großen Freude merken, die uns verkündigt wird; und von dem
Leuchten, das um die Hirten war, wird auch ein heller Schein in unsere
Finsternis fallen: Dies Kind heißt "Immanuel, das ist: Gott mit
uns". Ja, Gott selber hat die Brücke von ihm zu uns geschlagen, es hat
uns besucht der Aufgang aus der Höhe! |
My dear friends, let us this Christmas holiday
seek in the child of Bethlehem Him who came to us to carry all our troubles
with us. We will surely feel some of
that great joy that was announced to us; and a bright shine, from the light
around the shepherds, will fall into our darkness: This child is “Emanuel,
that is: God is with us.” Yes, God
Himself built the bridge from Himself to Us, the rising has visited us from
on high! |
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Damit haben wir eine Seite der Weihnachtshotschaft
betrachtet, und es könnte so scheinen, als sei damit bereits das Wesentliche
gesagt. Aber da ist noch eine andere Seite, und am Ende ist sie noch
wichtiger für uns. - Gewiß, die Zeichen - Windeln und Krippe - bleiben auch
dem Manne treu, nachdem das Kind herangewachsen ist; er wandelt seinen Weg
weiter in der Tiefe der Menschheit; er wird ein Wanderprediger, dem die
einfachen Leute nachlaufen, während ihm die Großen und Gelehrten mit
ausgesprochener Skepsis gegenüberstehen, sofern sie überhaupt von ihm Notiz
nehmen; er wird jener sonderbare Heilige, der sich mit Zöllnern und Sündern,
mit Dirnen und Aussätzigen abgibt; er wird endlich der Mann der Schmerzen,
der von seinem eigenen Jünger verraten, von keinem seiner Freunde verstanden
und selbst von Gottes Hand im Stich gelassen, sein irdisches Leben am Kreuz
beschließt, und das heißt am Galgen: "Sehet, welch ein Mensch!" -
Sein ganzes Leben ein Weg des Duldens und Leidens, von der Krippe bis hin zum
Grabe, das auch nicht mal ihm zu Eigen gehört. - Das ist das Leben dieses
Kindes, wie es sich unseren Augen darstellt. |
With that we have examined one side of the
Christmas message, and it might seem as if the important aspect has been
said. Buth there is another side, and
in the end it is more important for us. – To be sure, the signs – swaddling clothes and manger – remain
true to the man after the child has grown up; he becomes a wandering
preacher, whom simple folk run after, while the great and learned confront
him with great skepticism if they take note of him at all; he becomes one of
those strange holy ones who consorts with toll-keepers and sinners, with
whores and [lepers][5];
he finally becomes the man of pain, betrayed by his own follower, not
understood by any of his friends and even left in the lurch by God’s own
hand: “See, what a man!” – His whole life is a path of endurance and
suffering from the manger to a grave that is not even his alone. – This is
the life of this child, as it appears to our eyes. |
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Aber Gott hat eine eigene Überschrift über dieses
Leben gesetzt er läßt uns von diesem Kinde sagen: "Euch ist heute der
Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr!" - Da geht es noch um
mehr als um den Trost, daß Gott sich zu uns neigt; da geht es um Rettung, um
Befreiung aus tödlicher Not und Gefahr; denn das Wort, das unsere Bibel mit
Heiland übersetzt, meint ursprünglich den Retter oder Erretter, der da Hilfe
bringt, wo wir selber uns nicht mehr zu helfen vermögen. |
But God has put his own title over this life, he
lets us say of this child: “Unto you today the saviour is born, Christ the
Lord!” This is about more than
comfort that God bends to us; this is about salvation, liberation from deadly
trouble and danger; because the word that our Bible translates with
“saviour,” originally meant the rescuer who brings help when we were no
longer able to help ourselves. |
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Die Heilige Schrift läßt keinen Zweifel darüber,
was für eine Not hier gemeint ist, aus der nur ein Heiland, ein Retter, uns
befreien kann. Sie spricht ungeschminkt von der Sünde und meint damit unseren
Ungehorsam gegen Gottes heilige Gebote, die selbstherrliche Auflehnung des
menschlichen Geschöpfs gegen seinen Schöpfer. Und sie führt diese
Verderbtheit der menschlichen Grundhaltung gegenüber Gott bis auf die ersten
Anfänge des Menschengeschlechts zurück und urteilt völlig pessimistisch über
alles menschliche Bemühen, diesen Zustand zum Guten zu wenden: "Das
Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf",
und das Ende sind der Tod und das Gericht, denn "der Tod ist der Sünde
Sold", und Gott will vergelten "einem jeglichen nach seinen
Werken". - Um die Wahrheit solchen Urteils zu erkennen, brauchen wir
nicht der Menschheitsgeschichte Schritt um Schritt nachzugehen; ein Blick in
unser eigenes Herz und Leben - wenn er ehrlich ist - zeigt uns deutlicher als
alle Beispiele, daß wir keinen Augenblick vor dem heiligen Gott und seinen
Geboten bestehen können, daß darum im Grunde alles Elend unseres Lebens wohl
verdient ist, wenn - ja, wenn ein Gott im Himmel ist, der Gehorsam gegen
seinen heiligen Willen von uns fordert. - Deshalb ist dies schlechte Gewissen
fast immer die geheime eigentliche Triebfeder aller groben und feinen
Gottlosigkeit; denn wer hätte je einen anderen Weg gefunden, sich selber von
seinem schlechten Gewissen und damit von seinen Sünden zu erlösen, als den,
daß er Gott leugnet oder vergißt oder doch zu vergessen sucht und sich an
Gottes Statt zu seinem eigenen Gesetzgeber und Herren macht?! |
The Holy Scriptures leave no doubt what kind of
need is meant here, from which just one savior, one rescuer can free us. They speak unadornedly of sin, meaning our
disobedience to God’s holy commandments, the arrogant rebellion of humanity
against its maker. And it derives
this corruption of mankind’s stance towards God from the first beginnings of
humanity, and is completely pessimistic about all human attempts to turn this
condition towards good: “The writing and efforts of the human heart is evil
from youth onwards,” and the end is death and judgment, because “death is the
wages of sin,” and God will reward or punish “each according to his own
works.” – To recognize the truth of such a judgment, we do not need to follow
human history step for step; a glance into our own heart and life – if one is
honest – shows us more clearly than all examples, that we could not last for
a moment before holy God and his commandments, that therefore all the misery
of our life is well deserved, if – yes, if there is a God in heaven who
demands of us obedience to his holy will.
– This is why this bad conscience is the secret true spring[6]
of all coarse and subtle godlessness; because who has ever found another way
to save himself from his bad conscience and thus from his sins, than to deny
God or forget him or seek to forget him, and put himself in God’s stead as
his own law giver and lord?! |
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Doch niemand kann sich dem Zugriff Gottes
entziehen! - "Führe ich gen Himmel, so bist Du da; bettete ich mich in
die Hölle, siehe, so bist Du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und
bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch Deine Hand daselbst führen und
Deine Rechte mich halten." Es gibt kein Entrinnen vor Gott, und niemand
vermag seinem Gericht zu entfliehen. - Darum ist es kein Wunder, daß diese
Erde immer mehr zur Hölle wird; kein Wunder, daß hier ein Kampf aller gegen
alle tobt; aber ein Wunder ist es, wenn in diese Menschenwelt hinein die
Botschaft gesprochen wird: "Euch ist der Heiland geboren; Christ der
Retter ist da!" |
But no one can escape the reach of God! – “If I
go to heaven, You are there; if I were to bed in hell, see, You are there
too. If I took the wings of dawn and
stayed on the outermost ocean, Your hand would lead me there and your right
hand would hold me.” There is no
escaping from God, and no one is able to flee His judgment. – This is why it
is no wonder that this Earth is steadily becoming more hellish; no wonder,
that a battle rages of all against all; but it is a miracle, when into this
world of man the message is spoken, “Unto you a saviour is born; Christ the
rescuer is here!” |
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Wie freilich das hier verheißene Heil zustande
kommt, wie denn nun unsere Rettung geschieht, das wird uns im
Weihnachtsevangelium noch nicht gesagt; aber es ist bereits angedeutet und
eingeleitet. - Der Seher von Jesaja 53 hat es vorausgeschaut: "Fürwahr,
er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen." - Und ein
frommer Mann hat das feine Wort geprägt: "Die Passion Christi fängt mit
seinen Windeln an." - In Christus bringt Gott selber die Rettung, die
wir uns nicht verschaffen können; er neigt sich nicht nur zu uns herab, er
hebt uns zu sich empor: "Ich, ich tilge Deine Übertretungen und gedenke
Deiner Sünden nicht!" - Christus, der "Gott mit uns", ist auch
der "Gott für uns", und wir dürfen jubeln: "Ist Gott für uns,
wer mag wider uns sein!" |
Of course, how the prophesied salvation comes
about, how our rescue happens, that is not told us in the Christmas
evangelium; but it is already foreshadowed and introduced. – The prophet of
Esau 53 has foreseen it: “Verily, he carried our sickness and laid upon
himself our pain.” -- And a pious man
has coined the fine words: “The passion of Christ began with his swaddling
clothes.” In Christ God Himself
brings the salvation that we can not create for ourselves; he does not just
lean down toward us, He lifts us up to Himself: “I, I redeem your trespasses
and do not think of your sins!” --
Christ, the “God with us,” is also the “God for us,” and we may rejoice: “If
God is for us, who can be against us!” |
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Das ist wahrlich eine Botschaft, die den Namen
verdient: "Große Freude"; da darf unsere Furcht weichen:
"Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem
Volk widerfahren wird!" Wohl ist diese Freude über alles Begreifen und
Verstehen; es handelt sich ja um Gottes Wirken und Tun, und wie wollten wir
das begreifen?! - Diese Freude ist mehr, als wir Menschen je zu erwarten und
zu hoffen wagen könnten. - Aber sie ist anzubeten; sie ist zu glauben. - Und
wer glaubt, der hat! |
That is truly a message that earns the name:
“Great joy”; with it our fear may retreat: “Fear not; see, I bring you
tidings of great joy to all the people!”
Certainly this joy is beyond all comprehension and understanding; it
is about God’s works and doings, how would we comprehend that?! – This joy is
more than we humans could ever have dared to expect and hope. – But it is to
be prayed to; it is to be believed. – And who believes, possesses! |
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Es sind Hirten, denen die erste Kunde gebracht
wird von dem Heiland, der als Kind in der Krippe liegt; es sind einfache,
schlichte, arme Leute: "Den Armen wird das Evangelium gepredigt."
Sie haben gewiß keine uferlosen Wünsche und keine großartigen Hoffnungen für
ihr irdisches Dasein, sie träumen sicherlich nicht von einem Paradies auf
Erden, das nun kommen soll. - Und wer das tut, der - wird immer an der
biblischen Christushotschaft vorübergehen. - Aber wer mit Gott wieder ins
reine kommen möchte und wer den Frieden des Herzens sucht, dem kann und soll
geholfen werden, dem will die weihnachtliche Frohbotschaft sagen: Gott ist
nahe, dir zu helfen; Jesus Christus ist da, dein Bruder und dein Heiland;
fürchte dich nicht, glaube nur! |
It is shepherds, to whom the first message of the
Saviour was brought, who lay in a manger; they are simple, unadorned, poor
people: “The evangelium is preached to the poor.” They certainly do not have boundless wishes and no tremendous
hopes for their earthly existence, they certainly don’t dream of a coming
heaven on Earth. – And whoever does, will always miss the biblical message of
Christ. – But whoever wants to come clean with God, and seeks peace of heart,
can and shall be helped, and the Christmas message will say to him: God is
near, to help you; Jesus Christ is here, your brother and saviour; fear not,
only believe! |
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Und wir, liebe Freunde, die wir abgeschnitten
sind von der Welt da draußen, untätige Zuschauer bei allen ihren Kämpfen und
Krämpfen, wir, die wir jeden Tag viele Stunden Zeit haben, nach innen zu
schauen und uns über uns selber klarzuwerden, wir, die wir den Frieden des Herzens
oft so schmerzlich entbehren, weil wir nicht auf Gott und sein Wort, sondern
auf die Menschen und ihr Tun blicken - sollte nicht uns das innere Gehör
besonders aufgeschlossen sein für die Kunde, die uns das Weihnachtsevangelium
bringt; sollte nicht uns, die wir die Furcht kennen - die Todesfurcht wie die
Lebensfurcht-, das Wort von der großen Freude besonders angehen?! - So laßt
uns denn heute am Heiligen Abend den Herrn Jesus Christus bitten, daß er, der
als Kind in diese gottentfremdete Welt kam, sie zu retten, auch bei uns
Einkehr halte, uns seine Rettung bringe und uns seine Freude schenke! - Amen.
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And we, dear friends, who are cut off from the
world out there, inactive spectators of all their battles and convulsions,
we, who have many hours every day to look inward and become clear about
ourselves, we, who often so painfully lack peace of heart, because we do not
look on God and His word, but rather on mankind and its doings – should not
our inner sense be especially open for the message of the Christmas
evangelium; shouldn’t the word of great joy be especially relevant to us, who
know fear – fear of death and fear of life?!
So let us today on Christmas Eve ask the Lord Jesus Christ that He,
who came in to this world alienated from God in order to save it, should also
come to us, bring us his salvation and grant us his joy! – Amen. |
[1] Literally “acknowledging church”. I don’t know the right term.
[2] Possibly ship owners; not sure about this.
[3] I’m not religious (although this was a very moving message). I say this to warn you that I will not get many of the religious terms right, or translate some of the biblical passages in a way that someone more familiar with the Bible would. I also haven’t had time to go over this properly and catch mistakes. Let me know if you have questions, I’ll try to straighten out mistakes. Hope this serves your needs. Merry Christmas! And a very happy new year. --Thomas
[4] Perhaps a typo for “innerlich”: in our thoughts.
[5] Possibly “exiles.”
[6] Triebfeder = the spring in a watch that drives the watch; can’t think of the right word.